Die Ernsthofner Bretterkrippe

Die Ernsthofener Bretterkrippe

 

Am Platz vor der Kirche in Ernsthofen steht die Bretterkrippe, welche von Heidelinde Staudinger gemalt worden ist.

Man möchte fast beginnen mit: Es war einmal zu der Zeit, als in Ernsthofen der Kirchenplatz umgestaltet worden ist, da standen die Ernsthofener nach der hl. Messe vor der Kirchentür und jemand meinte: „Irgendwie fehlt da etwas?“ Aber was?

Es fehlt das Zeichen, wie Gott sich klein macht um in den Herzen der Menschen Einkehr zu halten.

Und so war bald der Entschluss gefasst eine Bretterkrippe aufzustellen, wie sie in dieser Gegend üblich ist. Sie sollte so groß sein, dass sie jeder sieht, der vorüberfährt oder auf dem Weg zum Friedhof vorbeigeht und man einfach nicht daran vorbei schauen kann. Das Jesuskind in der Krippe schenkt seinen Segen und lädt ein in die Kirche zu kommen und bei der Feier der Weihnacht dabei zu sein.

Keiner wird ausgeschlossen, jeder einzelne ist eingeladen um mit dem Chor der Engel ins Gloria in excelsis deo einzustimmen. Den Weihnachtsfrieden ganz tief zu empfinden, wenn bei der Mette das Stille Nacht gesungen wird. 

Eine Besonderheit hatte das Kripperl aber dennoch:

Der Auftrag zum Malen kam sehr knapp und es braucht ja auch viel Zeit, bis die Farbe trocknet, aber irgendwie hat es Frau Heidelinde Staudinger doch geschafft und pünktlich zum ersten Adventsonntag stand ihr Werk am Kirchenplatz.

Das Wesentliche ist dargestellt: Der Stall von Betlehem mit dem

Kometen, dass ein jeder weiß hier liegt das göttliche Kind in Menschengestalt, so ist der Mittelpunkt das Jesuskind, umgeben von Maria, seiner Mutter und Josef, seinem Nährvater.

Die kleine Hanna mit einem Korb, mit einer weißen Taube, die daran erinnert dass Jesus im Tempel dargestellt wurde und das die Taube ein Sinnbild des Friedens ist.

Der Hirte Simeon, der anbetend und stellvertretend für uns alle ausruft: „Heute haben meine Augen das Heil der Welt gesehen, Christus unseren Herrn und Erlöser!“

Ein paar Schafe sind auch dabei, so dass sich jeder dabei weiß, denn es ist ein ganz kleines Schaf, ein jugendliches Schaf und ein großes Schaf, alle Lebensalter sind vertreten. Alle scharen sich ums Jesuskind, egal ob klein oder groß, dünn oder dick.

Natürlich schaut auch ein Esel beim Fenster herein, denn er hat ja Maria getragen, auf dem Weg von Nazareth nach Betlehem. Auf der Flucht nach Ägypten wird er auch wieder gebraucht und in der Heiligen Schrift wird erwähnt, dass er seinen Herrn trägt.

Der Ochse darf auch nicht fehlen, denn von ihm heißt es in der Heiligen Schrift, dass er seinen Herrn erkennt und mit seinem Atem das Kind in der Krippe vor der Kälte schützt.

Aber siehe da, beim Aufstellen bemerkt Heidelinde es erst, der Ochse hat ja keine Ohren, wie soll er denn da auf die Wünsche vom Christkind hören?  

Nächtelang konnte Heidelinde nicht schlafen und lag wach im Bett, natürlich hat ihr Gemahl die Unruhe auch bemerkt, wurde er doch auch oft geweckt. Bis er dann zu Heidelinde fast schon erlösend sprach: „Du bist ja sehr geschickt, bastle einfach Ochsenohren und ich bringe dich dann nach Ernsthofen.“ Am übernächsten Tag war es dann soweit und Heidelinde schraubte den Ochsenkopf ab um die Ohren anzubringen, was natürlich nicht unbemerkt blieb. Ein kleiner Bursche sah es und hat Heidelinde gleich zur Rede gestellt: „Was machst Du da in unserer Krippe?“

Eine größere Freude hätte sie nicht empfinden können, als ob sie durch die Ochsenohren hindurch gehört hätte, dass es in Ernsthofen wirklich Weihnachten geworden ist:

Denn in der Gestalt des Jesuskindes ist Gott in die Herzen der Ernsthofener eingekehrt und einer der ihren geworden.

  

Richard J. RUDOLF Weihnachten a.D. MMXVI